Mutra - Die Fratze. Organisierte Kriminalität in Bulgarien
Simone Böcker
»Andere Staaten haben eine Mafia, in Bulgarien hat die Mafia ihren Staat.« Diesen Satz zitieren die Bulgaren gerne achselzuckend, wenn sie ihrem Ärger über die Zustände im Land Luft machen. Tatsächlich sind sie überall zu sehen, die so genannten Mutri, auf Deutsch »Fratzen«: Stiernackige, bullige Typen in schwarzen Anzügen, die in Jeeps durch die Straßen jagen und sich in pompösen Villen in den Vororten Sofias verschanzen - die Neureichen, die in den 90er-Jahren nach der politischen Wende das große Geld gemacht haben: durch Schmuggel, Diebstahl, Ausplünderung des Staates und andere illegale oder halb-illegale Machenschaften. Doch das Bild ist vielschichtiger. Die ehemaligen Unterweltler operieren mittlerweile als Geschäftsleute und bedienen sich eines Netzwerks legaler und illegaler Geschäftsverbindungen. Sie sind verflochten mit lokalen Behörden und alten Seilschaften. Was also bedeutet »Mafia« im Klartext? Wer sind diese Leute, woher kommen sie und was machen sie? Und wie erfolgreich ist Bulgarien im Kampf gegen die organisierte Kriminalität?
Deutschlandfunk, 24.1.2009




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