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Dirk Auer, Simone Böcker:
Tito Superstar -
Sehnsucht nach jugoslawischen Zeiten?
Südwestrundfunk, 7.5.2012,
8.30 Uhr

 

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Bulgarische Filmemacher

Simone Böcker, 4.8.2008

Filmemacher - das sind mittlerweile oft junge Leute, die viel rauchen, trendige Klamotten tragen, in einem chaotischen Büro ihre kreativen Gedanken zu einem Skript verarbeiten – und dabei ziemlich gut verdienen. So lautet zumindest das Klischee. In Bulgarien sieht es jedoch anders aus. Die heutigen Regisseure sind bis auf ganz wenige Ausnahmen weder gut verdienend noch jung. Und diese Ausnahmen haben zu kämpfen. Dabei war der bulgarische Spielfilm zur Zeit des Sozialismus berühmt. In den 1990er Jahren jedoch brach die Filmszene völlig zusammen und erholt sich erst seit kurzem wieder.

 

Radiobeitrag: Deutsche Welle

Junge Menschen am Strand, bunte Farben, Volleyballspielen in Zeitlupe. Ein Werbefilm für einen Mobilfunkanbieter. Dragomir Sholev ist der Regisseur. Ein junger Mann Anfang 30, dunkler Dreitagebart, mit Sex-Pistols-T-Shirt und schwarzem Strohhut auf dem Kopf. Das Handwerk hat er an der Filmakademie in Sofia gelernt.

Ich habe fünf Jahre gebraucht, um dort aufgenommen zu werden. Jedes Jahr werden nur fünf Studenten zugelassen. Viele kommen nur über Beziehungen rein. Ich wollte das aber unbedingt, ich wollte nichts anderes machen. Also habe ich fünf Jahre irgendetwas anderes gearbeitet, bis es geklappt hat.


Als Werberegisseur hat er jetzt alle Hände voll zu tun. Sein großes Ziel aber hat er vor ein paar Monaten erreicht: eine Zusage von Mitteln aus dem Staatlichen Filmfonds für seinen ersten Spielfilm. Drei Jahre hat er sich dafür beworben.

Es gibt eigentlich eine Unterstützung für Debütanten. Aber es gibt nirgends eine klare Definition, wer ein Debütant ist. Fragt man verschiedene Institutionen, sagen alle etwas anderes. Ich wurde nicht als Debütant akzeptiert, weil ich schon mal einen 5-minütigen Animationsfilm mit staatlicher Förderung gemacht habe – also bin ich kein Anfänger mehr! Und die anderen Regisseure bewerben sich mit 3,4,5 Spielfilmen, die sie schon gemacht haben, und ich soll mit ihnen konkurrieren? Das ist nicht fai
r.

Dragomir holt seine Produzentin ab. Sie müssen zusammen zum Nationalen Fernsehsender fahren, um Dokumente einzureichen. Auch dort haben sie sich für Gelder beworben, denn die Mittel vom Filmfonds allein reichen nicht. Zum Glück hat Dragomir mit Rossitsa Valkanova eine erfahrene Frau der Filmbranche an seiner Seite. Die Produzentin arbeitet zum ersten Mal mit einem jungen Regisseur.

Vor drei Tagen ist Dragomir 31 Jahre alt geworden. Das ist die jüngste Generation in unserem Kino. Ich kenne keinen anderen außer ihm, der angefangen hat in der Werbung oder für TV-Shows zu arbeiten, und trotzdem weiterhin die Idee verfolgt, einen Spielfilm zu machen. Viele junge Leute sind sehr resigniert und glauben, dass sie ohnehin kein Geld bekommen werden.


Rossitsa Valkanova kennt noch die Glanzeit des bulgarischen Kinos während des Kommunismus. Nach der Wende ist die Filmindustrie vollständig zusammengebrochen, die Studios wurden für wenig Geld privatisiert. Trotzdem erlebten sie und ihre Studienkollegen die neuen Zeiten mit viel Enthusiasmus.

Wir wollten damals kein Gehalt, keine große Unterstützung vom Staat. Wir dachten sehr naiv, dass die Besten es schaffen würden. Wir haben die Verbindung zum Staat radikal gekappt. Das hat nach 5,6 Jahren zu einem Kollaps geführt. Angefangen damit, dass es schließlich gar kein Geld mehr gab. Die Idee, dass es zu den Aufgaben des Staats gehört, Filme zu fördern, ging in dieser Zeit verloren. Und wir Filmemacher haben dazu entscheidend beigetragen.

Das Ergebnis: In den 90er Jahren lag die Filmproduktion am Boden, besonders die jungen Leute wurden demotiviert, weil sie ohne Erfahrung erst recht keine Chance hatten. Erst seit drei Jahren ist die Filmförderung durch ein neues Gesetz geregelt. 3-4 Mio. Euro werden jährlich für ca. 5 Spielfilme, 20 Dokumentarfilme und 100 Minuten Animationsfilm vergeben. Seitdem gibt es sie wieder, die bulgarischen Filme.

Razsledvane – oder „Die Untersuchung“ – ist der Titel von Rossitsa Valkanovas letztem Film. Eine Kriminalgeschichte von einer ehrgeizigen und einsamen Kommissarin, die die Einsamkeit mit ihrem Hauptverdächtigen teilt. Ihr m hat mehrere Preise auf internationalen Festivals gewonnen, genauso wie andere bulgarische Produktionen der letzten Jahre. Doch die Namen junger Filmemacher sucht man vergebens.

Die Leute, mit denen ich arbeite, wir sind schon fast 50 Jahre alt. Und wir werden als die neue Generation bezeichnet! Das ist absurd! Das ist einfach nur ein Zeichen dafür, wie gravierend der Zusammenbruch war.


Auf dem Gelände des Fernsehsenders stehen altmodische Gebäude, Anmeldung beim Pförtner. Immerhin gibt es jetzt Möglichkeiten, sagt Rossitsa. Auch wenn die Mittel noch zu gering sind.

Wirklich hinderlich sind aber die langen Wartezeiten. Gleich wird sie mal wieder mit der Fernsehverwaltung darüber diskutieren, warum man sich nur einmal jährlich für Gelder bewerben kann. Eine Zu- oder Absage werden die beiden erst im Frühling bekommen, frühestens im nächsten Herbst können sie mit den Dreharbeiten beginnen.

Die Dinge müssen schneller gehen. Schauen Sie, ich habe 5 Jahre auf meinen Studienplatz gewartet, wenn es so weitergeht sitze ich acht Jahre an meinem ersten Spielfilm, insgesamt sind das 20 Jahre meines Lebens für meinen ersten Film. Und ich bin noch einer von den glücklichen Studenten, den Erfolgreichen! Ich habe gute Chancen, irgendwann im Guiness Buch der Rekorde zu landen als ältester Debütant in der Filmgeschichte.

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Simone Böcker u. Chrissi Wilkens: 
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Dirk Auer u. Boris Kanzleiter: Die "Faust Gottes" vor dem UN-Tribunal. Freiheitskampf und organisierte Kriminalität im Kosovo
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Dirk Auer u. Boris Kanzleiter: Vergessene Opfer. Die Vertreibung der Roma aus dem Kosovo
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Downloads


 

"Kein Wort stand in den Geschichts-
büchern", darin: Dirk Auer über ein vergessenes KZ und Simone Böcker über die zweischneidige Geschichte der Rettung der bulgarischen Juden.
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Sonderheft der Flüchtlingsräte (2010) zu Antiziganismus, darin: Dirk Auer: Vertreibung, Blei und Straflosigkeit. Der Krieg und die Tragödie der Roma im Kosovo
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Ausstelungskatalog "Blick zurück nach vorn". Ein Fotoprojekt mit abgeschobenen Jugendlichen aus Deutschland
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