„Bleib, verweile“ - Das Zentralna Banja in Sofia
Simone Böcker
Das Zentrale Mineralbad in Sofia wurde vor 20 Jahren geschlossen. Zurzeit findet in dem Gebäude eine Ausstellung statt: „Ostani, ostani“ -„Bleib, verweile“ ist das Motto.
Radiobeitrag: Deutsche Welle
Wasser, Stimmen
Ein Platz im Herzen Sofias. In der Mitte sprudelt ein Springbrunnen, auf den Bänken ringsherum sitzen Menschen in der Mittagssonne und halten ihre Gesichter in die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen. Ein durch und durch idyllisches Fleckchen, wäre da nicht – der Bauzaun direkt an der Stirnseite des Platzes: dahinter das alte Mineralbad von Sofia. Bis vor kurzem eine völlige Ruine.
Ich habe keine Ahnung, was mit dem Bad werden wird, (sagt eine Passantin). Ich hoffe, es gibt bald einen neuen Pächter, damit es restauriert und geöffnet wird und man es besuchen kann.
Bislang können sich die Sofioter ihr heilendes Mineralwasser nur an Brunnen neben dem eigentlichen Gebäude abfüllen. Jeden Tag kommen vor allem alte Menschen mit Kanistern und Flaschen hierher. Das eindrucksvolle Gebäude mit den bunten Mosaikfliesen an der Fassade und den Kuppeldächern wurde zwar mittlerweile von außen renoviert. Doch für eine Gesamtlösung fehlte bislang das Geld. Seit kurzem steht jedoch fest: Künftig werden dort das Sofioter Stadtmuseum und ein Spa-Zentrum untergebracht. Die Meinung über diese ungewöhnliche Lösung ist geteilt.
Diese Kombination? Warum nicht? Das Gebäude ist groß genug. Das Thermalwasser muss genutzt werden, es ist uns von der Natur geschenkt. Und dazu noch Kulturschätze auszustellen, das ist doch praktisch. Man kümmert sich damit gleichzeitig um den Geist und die Gesundheit des Menschen.
Es sollte wieder ein Bad werden. Das war immer ein Bad, schon seit der Römerzeit. So eine halb halb Geschichte – das geht nicht! Das ist doch nichts Ganzes!
Zurzeit können sich die Sofioter schon mal ein Bild von den künftigen Museumsräumen machen. Durch eine Ausstellung vom Medienkunstzentrum Interspace.
Austellung, Geräusche, Filme…
Aus Monitoren und von Filmleinwänden wispert und dröhnt es in den großen Kuppelräumen des alten Mineralbades. Der bulgarische Künstler Petko Dourmana steht vor seiner übermannshohen blinkenden Installation: eine Informationstafel aus dem Kommunismus, als Verkehrspolizisten durch Ampelanlagen ersetzt wurden. Als einer der wenigen Künstler in Bulgarien beschäftigt er sich mit der kommunistischen Vergangenheit. Etwas, was ansonsten in der bulgarischen Gesellschaft bis heute nicht geschieht, sagt er.
In der Informatik nennt man das: die Festplatte formatieren. Die Festplatte der bulgarischen Nation wurde schon ein paar Mal formatiert. Jetzt erleben wir das wieder und das Besondere daran ist, dass der Prozess diesmal von den früheren kommunistischen Mächten organisiert wird. Die Frage meines Projekts ist: Wer hat Angst vor der Vergangenheit? Meine Arbeit ist das Portrait einer Periode, die verschwinden wird.
Auch im Stadtbild verschwinden die Spuren der Vergangenheit langsam – es wird mehr abgerissen und neu gebaut als erhalten. Das Schicksal von Orten - das ist das Thema der Ausstellung „Ostani, Ostani“ oder „Bleib, verweile“. Margerita Dorovska ist die Kuratorin.
Der Fokus der Ausstellung ist die Erkundung und das Wiederentdecken von Orten. Der Titel will dazu einladen, an Orten zu bleiben, deren Stimme und Geschichten zu hören. Alle die verschiedenen Schichten von sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Veränderungen. Für Sofia ist das sehr aktuell, denn gerade hier hat sich in den letzten 20 Jahren viel verändert.
Das Mineralbad im Herzen der Stadt als Ausstellungsort zu bekommen, war wie ein Geschenk, sagt Margerita. Einige Exponate stehen in den leeren Wasserbecken auf dem frisch von Estrich bedeckten Boden des ehemaligen Schwimmbeckens. Nur die Stufen und die steinernen Sitzbänke ringsherum sind noch original. Die Bauarbeiten innen haben bereits begonnen, nur wenige Details des alten Interieurs werden erhalten bleiben. Die Wände sind bereits von Regipsplatten verdeckt. Ein Ort, der viel zu erzählen hat, aber der nun neu formatiert werden wird und seine Geschichte möglicherweise verlieren wird.
Wenn ich mir etwas für das Gebäude wünschen könnte, dann würde ich die alten Spuren besser, sichtbarer erhalten. Die Räume werden jetzt zu einem historischen Museum, was bedeutet, die Zeiten zu konservieren und zu komprimieren. Das sollte auch für das Gebäude selbst gelten.




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